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Aus dem Bordtagebuch, Route Lanzarote-Gibraltar II

2015-04-13 09:57
von Hansjoerg Winkler
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Volkschul-Physik für kleine Seeleute
Bald ist Neumond; unser orbitaler Begleiter geht erst kurz vor der Sonne auf, die Galaxis strahlt. Selten sehe ich so viele Sterne. Die Himmelskuppel reicht beinahe bis zum Horizont, so klar ist die Luft.

Vom romantischen Sternengucker für andere Astrolaien: der Mond geht tägliçh etwas später auf. Warum? Der Mond dreht sich bekanntlich um die Erde. Dies ist aber nicht der Grund, warum er täglich auf- und untergeht, denn diese Wanderung übers nächtliche und auch tägliche Firmament geschieht durch die Eigendrehung der Erde. Das ist ja auch der Grund, warum die Sonne über den Himmel wandert. Diese aber steht einigermaßen am selben Fleck, daher geht sie immer beinahe zur gleichen Zeit auf. Der Mond aber dreht sich ja in 28 Tagen um die Erde, er muss also jeden Tag um einen 28stel tag später aufgehen. 24 stunden sind 1440 Minuten, der 28ste Teil davon 51,4 Minuten; diese Zeit also steigt er täglich später über den Horizont. 

28 Tage braucht er nun für eine Drehung um die Erde. Einmal steht er auf der sonnenabgewandten Seite der Erde und wird voll angestrahlt; es ist Vollmond. Da Sonne und Mond - von der Erde aus gesehen - auf verschiedenen Seiten stehen und sich die erde ja täglich um sich selbst dreht, muss die sonne in dem Moment untergehen, in dem der Mond aufgeht: der Vollmond leuchtet die ganze Nacht!  Täglich erscheint er nun später am Himmel; da er nach 7 Tagen quer zu Erde und Sonne steht, sehen wir ihn als Halbmond. Nach 12 oder 13 Tagen bilden Sonne-Erde-Mond schon einen sehr spitzen Winkel, denn der Mond steht fast schon zwischen Sonne und Erde; man sieht ihn nur mehr als Sichel; diese wandert aber erst spät nachts, fast vor Sonnenaufgang, über den Himmelsrand. Bei Neumond sind 14 Tage seit Vollmond vergangen. Wie erwähnt, errechnen wir sein Erscheinen als 51,4 Minuten x 14 Tage = 720 Minuten = 12 Stunden, die er später aufgeht. Da er nun fast zur gleichen Zeit erscheint wie die Sonne, ist er nur kurz als schmale Sichel erkenntlich; danach erleuchtet gleich die Sonne den Himmel und daher wird er für uns unsichtbar, obwohl schmale sicheln und Neumonde den halben tag am blauen himmel wandern. Und daher sieht man nie eine ganze Nacht lang eine Mondsichel, was fast schade ist, denn sie ist wunderhübsch und die Nase in der Mitte denkt sich fast von selbst hinzu.

Im Schulunterricht hätte ich das mal gelernt; aber von See betrachtet man diese Vorgänge nicht als Skizze auf der Tafel, sondern als Teil der umgebenden Wirklichkeit; dadurch nehmen Seeleute, gleich wie der reisende Wüstenfuchs und der Pilot des Flugzeuges, die Logik der Himmelskörper existentieller wahr; sie werden zu Freunden, die man begrüßt; deren Wanderungen man kennt und die einen regelmäßig besuchen.

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